Ein Tornado (span. tornar = umkehren, wenden, Partizip
tornado; tornear = wirbeln, drechseln), auch Großtrombe, Wind-
oder Wasserhose, amerikanisch Twister genannt, ist ein kleinräumiger
Luftwirbel in der Erdatmosphäre, der eine mehr oder weniger senkrechte
Drehachse aufweist und im Zusammenhang mit konvektiver Bewölkung
(Cumulus und Cumulonimbus) steht, was auch dessen Unterschied zu Kleintromben
(Staubteufeln) ausmacht. Der Wirbel erstreckt sich hierbei durchgehend
vom Boden bis zur Wolkenuntergrenze. Diese Definition geht auf Alfred
Wegener (1917) zurück und ist in dieser Form heute noch allgemein
anerkannt.
Die Begriffe Wind- und Wasserhose (engl.: Waterspout)
bezeichnen im deutschen Sprachraum Großtromben (Tornados im
weiteren Sinne) über Land beziehungsweise größeren
Wasserflächen (Meer, große Binnenseen). Windhose ist dabei
ein Synonym für einen Tornado im engeren Sinne über Land.
Die Bezeichnung „Windhose“ wird jedoch
von Meteorologen zunehmend abgelehnt. In der älteren Literatur
noch wohldefiniert (Wegener), wurde der Begriff in der jüngeren
Vergangenheit vermehrt undifferenziert für verschiedene Phänomene
im Zusammenhang mit plötzlich auftretenden starken Winden verwendet
(zum Beispiel Downburst) oder fälschlich auf Kleintromben bezogen.
Zudem wurde der Eindruck eines Unterschieds zwischen „großen“
Tornados in Nordamerika und „kleinen“ Windhosen in Europa
erweckt. Ein Unterschied zwischen Windhosen und Tornados besteht jedoch
weder bezüglich ihrer physikalischen Natur, noch bezüglich
ihrer Stärke.
Entstehung
Die Entstehung von Tornados ist sehr komplex und bis heute ein aktueller
Forschungsgegenstand. Trotz offener Fragen im Bezug auf Details sind
die Voraussetzungen und die prinzipiellen Mechanismen der Tornadogenese
recht gut bekannt. Unter den entsprechenden Bedingungen können
sich Tornados an jedem Ort während des ganzen Jahres bilden;
die Atmosphäre „kennt“ weder den Kalender noch die
Geographie.
Grundlagen
Für die Entstehung eines Tornados müssen zunächst die
Voraussetzungen für hochreichende Feuchtekonvektion gegeben sein.
Diese sind bedingte Labilität, also eine hinreichend starke vertikale
Temperaturabnahme, genügendes Feuchteangebot (latente Wärme)
in den unteren 1-2 km der Atmosphäre sowie Hebung der Luftmasse,
um die Feuchtekonvektion auszulösen. Hebungsmechanismen können
thermischer (Sonneneinstrahlung) oder auch dynamischer (Fronten) Natur
sein. Wesentlicher Energielieferant solcher Stürme und von Gewittern
allgemein ist die im Wasserdampf der feuchten Luftmasse gespeicherte
latente Wärme, welche bei der Kondensation freigesetzt wird.
Erst diese zusätzliche Wärmemenge ermöglicht ein hochreichend
freies Aufsteigen der Luft (Feuchtekonvektion), da die Atmosphäre
gegenüber trockener Konvektion abgesehen von bodennaher Überhitzung
stabil ist. Im letzteren Fall kann es lediglich zur Bildung von Kleintromben
kommen. Eine Art Übergangsform sind dynamisch ausgelöste
Kleintromben, so genannte Böenfrontwirbel (Gustnado) an der Böenfront
eines Schauers oder Gewitters. Diese können sich aber in einen
Tornado entwickeln, sofern sie Kontakt zu dem feuchtkonvektiven Aufwind
bekommen und so verstärkt werden.
Tornadotypen
Hinsichtlich der Entstehungsweise lassen sich zwei Klassen von Tornados
unterscheiden:
Mesozyklonale Tornados
Schematische Darstellung einer Superzelle mit TornadoFür mesozyklonale
Tornados tritt zu den oben beschriebenen grundlegenden „Zutaten“
für Schauer- oder Gewitterwolken eine starke vertikale Windscherung,
das heißt eine Zunahme der Windgeschwindigkeit und Änderung
der Windrichtung mit der Höhe. Dieses Windprofil ermöglicht
die Bildung von Gewitterzellen mit einem rotierenden Aufwind (Mesozyklone),
so genannte Superzellen, welche sich durch Langlebigkeit bis zu mehreren
Stunden und heftige Begleiterscheinungen, wie großem Hagel,
Sturzregen und Gewitterfallböen bis über 200 km/h auszeichnen.
Bei ca. 10-20 % aller Superzellen kommt es zur Bildung von Tornados.
Vielfach ist vor der Tornadoentstehung eine Absenkung der rotierenden
Wolkenbasis, eine sogenannte Wallcloud (dt. Mauerwolke) zu beobachten.
Durch die Aufwärtsbewegung im Zentrum strömt im unteren
Bereich Luft zur Drehachse hin, was aufgrund des Pirouetteneffekts
zu einem enormen Zuwachs der Windgeschwindigkeit zur Achse hin führt.
Eine wesentliche Rolle scheint hier die Bodenreibung zu spielen; die
Details der Intensivierung der Rotation bis hin zum Bodenkontakt sind
aber noch nicht gänzlich verstanden. Der Drehsinn von meoszyklonalen
Tornados ist auf der Nordhalbkugel überwiegend zyklonal, das
heißt entgegen dem Uhrzeigersinn. Dies ist aber kein unmittelbarer
Effekt der Corioliskraft, denn dafür sind Tornados zu kleinräumig.
Die Corioliskraft bestimmt vielmehr zusammen mit der Bodenreibung,
welche stark orographisch beeinflusst ist, das großräumige
Windprofil von Tiefdruckgebieten in deren Bereich Tornados entstehen
können. In den meisten Fällen dreht auf der Nordhalbkugel
der Wind mit der Höhe nach rechts, wobei die Luft aus südlicher
Richtung in die Mesozyklone einströmt, was zu zyklonaler (d.h.
entgegen dem Uhrzeigersinn) Rotation führt. Auf der Südhalbkugel
ergibt sich entsprechend ebenfalls zyklonale Rotation, dort aber im
Uhrzeigersinn.
Nicht-mesozyklonale Tornados
Schematische Darstellung zur Entstehung nicht-mesozyklonaler TornadosDieser
Entstehungsmechanismus setzt keine Mesozyklone voraus. Vielmehr zerfällt
vorhandene bodennahe horizontale Windscherung, z.B. entlang einer
Konvergenzlinie in einzelne Wirbel mit vertikaler Achse, welche durch
einen darüber befindlichen feuchtkonvektiven Aufwind einer Schauer-
oder Gewitterwolke gestreckt und somit intensiviert werden (siehe
nebenstehene Abbildung und Literatur). Dies geschieht in sonst eher
windschwacher Umgebung bei gleichzeitig starker vertikaler Temperaturabnahme
in den unteren Schichten. Im Gegensatz zu Mesozyklonen reicht hier
die Rotation nicht weit über die Wolkenbasis hinaus. Die Bindung
an Linien mit horizontaler Windscherung, (Konvergenz), welche oft
gleichzeitig den Hebungsantrieb für die Feuchtekonvektion darstellt,
erzeugt nicht selten entlang der Linie angeordneter „Familien“
von Großtromben (siehe Abbildung in den Weblinks). Zu diesem
eher schwächeren nicht-mesozyklonalen Tornadotyp zählen
auch die meisten Wasserhosen, aber es können auf diese Weise
auch Tornados über Land entstehen - im Englischen Landspout genannt.
Der Drehsinn von nicht-mesozyklonalen Tornados zeigt eine weniger
starke Präferenz für zyklonale Rotation.
Phänomenologie
Größe und Aussehen
Tornado auf dem Meer (Wasserhose)Im Anfangsstadium ist ein Tornado
zunächst fast unsichtbar. Erst wenn im Inneren des Wirbels durch
den Druckabfall und der damit einhergehenden adiabatischen Abkühlung
Wasserdampf kondensiert oder Staub, Trümmer, Wasser und dergleichen
aufgewirbelt werden, tritt der Tornado auch optisch in Erscheinung.
Eine durchgehende Kondensation von der Wolke bis zum Boden ist aber
nicht in jedem Fall zu beobachten. Eine solche von der Mutterwolke
ausgehende Kondensation wird als Trichterwolke (engl. funnel cloud)
bezeichnet. Erreicht der Luftwirbel den Boden nicht, so spricht man
von einer Blindtrombe. Für einen Tornado ist der Bodenkontakt
des Luftwirbels entscheidend, nicht dessen durchgehende Sichtbarkeit.
Sind zum Beispiel unter einer Trichterwolke Windwirkungen nachweisbar,
also im Regelfall Schäden am Boden, so handelt es sich um einen
Tornado. Die Gestalt des Luftwirbels ist sehr vielfältig und
reicht von dünnen schlauchartigen Formen bis zu einem mehr oder
weniger breiten sich nach oben erweiternden Trichter (siehe nebenstehende
Abbildungen und Weblinks). Dabei kann der Durchmesser einige Meter
bis hin zu 500 m, sogar bis über 1 km betragen. Nicht selten
treten bei großen Durchmessern mehrere Wirbel auf, die um ein
gemeinsames Zentrum kreisen, was als Multivortex-Tornado bezeichnet
wird.
Auswirkungen und Klassifizierung
Zerstörungen eines F3-TornadosDie Klassifizierung erfolgt nach
der Fujita-Skala, welche über die Windgeschwindigkeit definiert
ist. In der Praxis wird diese Skala aber mangels direkter Messungen
anhand der vom Tornado verursachten Schäden geschätzt. Diese
reichen von leichten Sturmschäden bis zur völligen Zerstörung
massiver Gebäude. Bislang wurden Tornadostärken F0 bis F5
in der Realität beobachtet; physikalische Abschätzungen
ergeben aus energetischen Gründen die Intensität F6 als
Obergrenze. In Europa ist daneben z.B. bei TorDACH die gegenüber
der Fujita-Skala doppelt so feine TORRO-Skala in Gebrauch. Die frühere
Annahme, der starke Unterdruck innerhalb eines Tornados, der bis zu
100 hPa betragen kann, ließe Gebäude gleichsam explodieren,
ist nicht mehr haltbar. Hauptursache der Schäden ist der Staudruck
des Windes und oberhalb von ca. 300 km/h auch zunehmend indirekte
Schäden durch umherfliegende Trümmer. Auf Grund ihrer hohen
und auf engem Raum wechselnden Windgeschwindigkeiten stellen Tornados
prinzipiell eine Gefahr für den Flugverkehr dar; Unfälle
sind aber auf Grund der Kleinräumigkeit dieser Wettererscheinung
selten. Zu einem spektakulären Fall kam es am 6. Oktober 1981,
als eine Fokker F-28 der niederländischen NLM Cityhopper in einen
Tornado geriet und nach Abriss der rechten Tragfläche abstürzte.
Alle 17 Personen an Bord starben.
Klimatologie
Lebensdauer und Geschwindigkeiten
Die Lebensdauer eines Tornados beträgt zwischen wenigen Sekunden
bis mehr als eine Stunde, durchschnittlich liegt sie unter 10 Minuten.
Die Vorwärtsbewegung eines Tornado folgt der zugehörigen
Mutterwolke und liegt im Schnitt bei 50 km/h, kann aber auch deutlich
darunter (praktisch stationär, nicht selten bei Wasserhosen)
oder darüber (bis über 100 km/h bei starker Höhenströmung)
liegen. Dabei ist die Tornadospur im wesentlichen linear mit kleineren
Abweichungen, welche durch die Orographie und das lokale Windfeld
in der Umgebung der Gewitterzelle bedingt sind.
Die interne Rotationsgeschwindigkeit des Windes ist
jedoch meist wesentlich höher als die der linearen Bewegung.
Sie ist auch für die verheerenden Verwüstungen verantwortlich,
die ein Tornado hinterlassen kann. Die höchste je registrierte
Windgeschwindigkeit innerhalb eines Tornados wurde während des
Oklahoma Tornado Outbreak am 3. Mai 1999 bei Bridge Creek, Oklahoma
(USA) mit einem Doppler-Radar bestimmt. Mit 496 ± 33 km/h lag
sie im oberen Bereich der Klasse F5 der Fujita-Skala; die obere Fehlergrenze
reicht sogar in den F6-Bereich. Dies ist damit die höchste je
gemessene Windgeschwindigkeit auf der Erdoberfläche überhaupt.
Oberhalb der Erdoberfläche erreichten nur Jetstreams höhere
Windgeschwindigkeiten. In der offiziellen Statistik zählt dieser
Tornado aber mit Rücksicht auf den wahrscheinlichsten Wert und
die Unsicherheiten als F5.
In den USA sind etwa 88 % der beobachteten Tornados
schwach (F0, F1), 11 % stark (F2, F3) und unter 1 % verheerend (F4,
F5). Diese Verteilungsfunktion ist weltweit sehr ähnlich und
in dieser Form von mesozyklonalen Tornados dominiert, welche das volle
Intensitätsspektrum ausfüllen. Die Intensität von nicht-mesozyklonalen
Tornados geht dagegen kaum über F2 hinaus.
Jahres- und tageszeitliches Auftreten
Tornados entstehen über Land, am häufigsten im Frühsommer,
wobei das Maximum mit zunehmenden Breitengraden später auftritt.
Über Wasser wird das Maximum im Spätsommer erreicht, weil
dann die Wassertemperatur und folglich die Labilität am höchsten
ist. Änliches gilt für den Tagesgang. Tornados über
Land treten am wahrscheinlichsten in den frühen Abendstunden
auf, während bei Wasserhosen das Maximum in den Morgenstunden
liegt. Ferner zeigt sich bei Wasserhosen ein klimatologischer Unterschied
im Jahresgang, je nach dem, ob diese an Land ziehen oder über
dem Wasser verbleiben. Die jahreszeitliche Verteilung für den
ersten Fall gleicht der für Tornados über Land, während
"reine" Wasserhosen das besagte Spätsommer-Maximum
zeigen.
Verbreitung und Häufigkeit
Tornados werden weltweit überall da beobachtet, wo es auch Gewitter
gibt. Schwerpunkte sind Regionen mit fruchtbaren Ebenen in den Subtropen
bis in die gemäßigten Breiten. An erster Stelle steht der
Häufigkeit nach der Mittlere Westen der USA, wo die klimatischen
Bedingungen für die Bildung von Schwergewittern und Superzellen
aufgrund der weiten Ebenen (Great Plains) östlich eines Hochgebirges
(Rocky Mountains) und nördlich eines tropischen Meeres (Golf
von Mexiko) sehr günstig sind. Für Wetterlagen mit hohem
Unwetterpotential bedingt das Gebirge relativ trockene und kühle
Luftmassen im mittleren bis oberen Bereich der Troposphäre bei
südwestlichen bis westlichen Winden, während in den tieferen
Schichten feuchtwarme Luftmassen aus der Golfregion ungehindert nach
Norden transportiert werden können. Dadurch kommen eine labile
Schichtung der Atmosphäre bei einem großen Angebot latenter
Wärme mit einer Richtungsscherung des Windes zusammen.
Weitere wichtige Regionen sind Argentinien, Mittel-
und Süd- und Osteuropa, Südafrika, Bengalen, Japan und Australien.
Zahlreiche, wenn auch im Mittel schwächere, meist nicht-mesozyklonale
Tornados treten im Bereich der Front Range (Ostrand der Rocky Mountains),
in Florida und über den Britischen Inseln auf.
Jährlich werden in den USA etwa 1200 Tornados registriert.
Die meisten Tornados entstehen in Texas, Oklahoma, Kansas und Nebraska
entlang der „tornado alley“ mit etwa 500 bis 600 Fällen
pro Jahr. Dies ist durch die oben genannten besonderen klimatischen
Bedingungen gegeben, welche die Voraussetzungen für die Entstehung
speziell von mesozyklonalen Tornados weit häufiger bieten, als
in anderen Regionen.
In Europa liegt die jährliche Zahl der Tornadobeobachtungen
bei 170, unter Einbeziehung der Dunkelziffer schätzungsweise
300. Hinzu kommen etwa 160 registrierte Wasserhosen, geschätzt
290. Wie in den USA sind auch die meisten europäischen Tornados
schwach. Verheerende Tornados sind zwar selten, doch sind bisher acht
F4- und zwei F5-Ereignisse aus Deutschland dokumentiert. Letztere
wurden bereits von Alfred Wegener 1917 in einer Arbeit zur Tornadoklimatologie
Europas beschrieben. Weitere verheerende Fälle sind aus Nordfrankreich,
den Benelux-Staaten sowie aus Oberitalien bekannt.
In Deutschland liegt die Zahl der jährlich beobachteten
Tornados bei zehn bis 20 mit einer noch recht hohen Dunkelziffer vor
allem schwächerer Ereignisse. Schätzungen ergeben eine Gesamtzahl
von 30 Fällen oder mehr pro Jahr, wobei jährlich mit ein
bis drei F2, mit einem F3 alle drei bis fünf und einem F4 alle
20 bis 30 Jahre gerechnet werden muss. Ein F5 ist ein Jahrhundertereignis
oder noch seltener.
In Österreich wurden im Schnitt der vergangenen
30 Jahre jährlich etwa drei Tornados beobachtet. Allerdings ist
seit 2002 durch die vermehrte Spotter- und Statistik-Tätigkeit
v.a. ehrenamtlicher Helfer eine mittlere Anzahl von etwa fünf
Tornados/Jahr zu beobachten. Unter Einbezug einer möglicherweise
recht hohen Dunkelziffer sowie der nach wie vor sehr unterrepräsentierten
F0-Fälle, könnte die tatsächliche, gemittelte, jährliche
Anzahl bei bis zu zehn Tornados/Jahr liegen. Dabei treten jedes Jahr
mehrere F0 und F1-Fälle auf. Im Schnitt kann zudem mit einem
F2 jährlich, bzw. einmal in zwei Jahren, alle fünf bis zehn
Jahre auch mit einem F3 gerechnet werden. F4 Ereignisse oder höher
sind aus Österreich bislang nicht bekannt.
Generell ist das Auftreten von Tornados starken Schwankungen
unterworfen, was sich in Häufungen („Ausbruch“ genannt,
engl. Outbreak) innerhalb recht kurzer Zeitspannen - oft an einem
einzigen Tag - äußert, gefolgt von recht langen Abschnitten
relativer Ruhe. Die Ausbrüche sind durch den engen Zusammenhang
mit bestimmten Wetterlagen begründet, wo mehrere Faktoren (siehe
oben unter „Entstehung“) für die Tornadoentstehung
zusammen kommen. Größere Ereignisse dieser Art mit verheerenden
Tornados sind vor allem aus den USA bekannt (siehe folgenden Abschnitt).
Für West- und Mitteleuropa sind hier die Jahre 1925, 1927 und
1967 zu nennen mit dem Schwerpunkt Nordfrankreich/Benelux/Nordwestdeutschland.
Diese Region kann auch als europäische „tornado alley“
angesehen werden. Der zahlenmäßig bedeutendste Ausbruch
in Europa mit insgesamt 105, aber meist schwächeren Tornados
(max. F2) traf am 23. November 1981 die Britischen Inseln.
Derzeit erlaubt die Datenbasis für Mitteleuropa
keine Aussage, ob Tornados auf Grund der globalen Klimaerwärmung
häufiger auftreten, da der Anstieg der beobachteten Fälle
auf eine bessere Erfassung in den letzten Jahren zurückzuführen
ist. In den USA existiert dank systematischer Tornadoforschung seit
den 50er Jahren und bedingt durch die hohen Fallzahlen eine belastbare
Statistik. Diese zeigt aber weder eine Tendenz zu vermehrtem Auftreten
noch zu größerer Heftigkeit von Tornados, wie im IPCC-Bericht
von 2001 dargelegt.
Bedeutende Tornadoereignisse
Beispielfälle aus den USA
18. März 1925: Der Tri-State Tornado (F5) forderte in 3 1/2 Stunden
auf einer Länge von 352 km über dem Gebiet dreier US-Bundesstaaten
(Missouri, Illinois und Indiana) 695 Todesopfer. Mit ca. 95 km/h wies
er eine ungewöhnlich hohe Zuggeschwindigkeit auf.
3./4. April 1974: Im Super Outbreak, dem größten bekannten
Ausbruch, suchten insgesamt 148 Tornados 13 Staaten im Süden
und Mittleren Westen der USA heim, darunter 30 verheerende Fälle
(F4/F5). Er hinterließ 315 Todesopfer und einen Sachschaden
von 600 Mio US-Dollar.
27. Mai 1997: Der Jarrell-Tornado ist in Jarrell (Texas) für
den Tod von 27 Menschen verantwortlich.
3. Mai 1999: Über 70 Tornados des Oklahoma Tornado Outbreak zogen
über Texas, Oklahoma und Kansas. Am schlimmsten traf es die Region
um Oklahoma City. 48 Personen kamen ums Leben und mit einem gesamten
Sachschaden von 1,2 Mrd. US-Dollar war dies die bislang teuerste Naturkatastrophe
dieser Art.
Weitere bedeutende Tornados und Tornado-Ausbrüche (englische
Wikipedia)
Beispielfälle aus Deutschland
Diese Auswahl zeigt signifikante Ereignisse (F2 - F5), die aufgrund
von Erscheinung oder Jahreszeit von Interesse sind. Ein umfassendes
Archiv findet sich bei TorDACH.
F2 F3 F4 F5
13. Januar 2004 Assel (Gemeinde Drochtersen bei Stade) 23. Juni 2004
Micheln (Sachsen-Anhalt), mehrere Verletzte, etwa 300 Gebäude
beschädigt 10. Juli 1968 Pforzheim, 2 Tote, über 200 Verletzte
zum Teil lebensgefährlich, 1750 Häuser beschädigt 23.
April 1800 Hainichen (Erzgebirge)
29. Juni 1997 Vier F2-Tornados in Niedersachsen mit bis zu 85 km Spurlänge.
Am schwersten betroffen Bissendorf bei Osnabrück. 5. Mai 1973
Kiel, 1 Toter 1. Juni 1927 Auen-Holthaus (Emsland), verheerende Schäden,
Kühe durch die Luft gewirbelt, weitere schwere/verheerende Tornados
am gleichen Tag unter anderem in den Niederlanden. 29. Juni 1764 Woldegk
(Mecklenburg), ausführliche Dokumentation (siehe Weblink)
Tornadoforschung
Typisches Radarecho einer tornadischen Superzelle, hier am Beispiel
des stärksten Tornados (F5) aus dem Oklahoma Tornado Outbreak
von 1999Obwohl Tornados in den USA eine lange bekannte Naturerscheinung
sind, ist die Tornadoforschung dort noch recht jung. Erst seit den
50er Jahren widmet man sich dort systematisch der Erfassung und Vorhersage.
Wegen des kurzfristigen Auftretens von Tornados konzentriert sich
letztere auf die Früherkennung, wobei das Doppler-Radar ein wesentliches
Instrument darstellt. Hiermit lässt sich bereits im Frühstadium
verdächtige Rotation in Gewitterwolken nachweisen. Hinzu kommt
ein dichtes Netzwerk ehrenamtlicher Beobachter, so genannte Spotter,
welche aktuelle Warnmeldungen über gesichtete Tornados und auch
andere Wettergefahren, wie zum Beispiel Gewitterfallböen, Hagel
und Sturzfluten, in das Kurzfrist-Warnsystem einbringen. Die Spotter
sind in dem Netzwerk Skywarn organisiert. Daneben besteht eine wachsende
Zahl von storm chasern (privaten Sturmjägern), welche primär
aus Faszination an den Naturgewalten Gewitter und Tornados verfolgen,
dabei aber auch wertvolle Informationen für die Unwetter- und
Tornadoforschung liefern. Hauptquartier der Unwetterforschung in den
USA ist das 1964 gegründete National Severe Storm Laboratory
(NSSL) mit Sitz in Norman. Dank des Warnsystems konnte in den USA
die Zahl an Tornadoopfern erheblich reduziert werden.
Interessanterweise ist die Tornadoforschung in Europa
älter als in den USA. Pionierarbeit leistete hier Alfred Wegener
schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In den 30er
Jahren unternahm der heute fast vergessene Meteorologe Johannes Peter
Letzmann in Deutschland eine systematische Tornadoforschung, welche
aber durch die Ereignisse des zweiten Weltkrieges stark eingeschränkt
und danach nicht weitergeführt wurde. Im Gegenteil sank das Interesse
an Tornados in der Folgezeit praktisch zur Bedeutungslosigkeit herab
und beschränkte sich auf einige wenige spektakuläre Fälle
wie zum Beispiel in Pforzheim 1968. Erst mit der Gründung des
Netzwerkes TorDACH 1997 nahm die Tornadoforschung im deutschsprachigen
Raum einen neuen Aufschwung. 2003 wurde in Deutschland, Österreich
und der Schweiz Skywarn jeweils als Verband ehrenamtlicher Spotter
zur Verbesserung der kurzfristigen Unwetterwarnungen im deutschsprachigen
Raum gegründet.
Die heutige Tornadoforschung konzentriert sich neben
der Klimatologie und der Erstellung von Fallstudien auf die Mechanismen
der Tornadogenese (siehe oben). Hierzu werden aufwendige numerische
Simulationsrechnungen durchgeführt, um ein besseres Verständnis
der Entstehung von Tornados zu gewinnen.